Wir können auch Ausflug!

Dank der Idee von Manuela Nägele und der tatkräftigen Umsetzung von Harald Krauss geht es am 14.09.2019 pünktlich um 08:15 Uhr los mit dem Bus von Hedelfingen zum Kloster Nehresheim. Unser erster Chorausflug nimmt seinen Lauf und wir fahren wohlgemut ca 1,5 Stunden und tun, was wir bei unseren konzentrierten Chorproben nicht können; wir tratschen! Und das in einer Lautstärke, dass Harald Krauss schließlich ein „Miniquiz“ mit wissenswerten Informationen über Nehresheim und Umgebung einstreut.
Die Zeit vergeht wie im Flug und wir treten in die wunderschöne Abteikirche des Klosters Nehresheim ein und staunen ehrfürchtig: Als Barockbau nach Plänen des Baumeisters Baltharsar Neumann (einst verewigt auf den 50 DM Scheinen) startete der Bau im Jahr 1750 und konnte erst 42 Jahre später, 39 Jahre nach dem Tod Bathasar Neumanns, beendet werden, zu einem Zeitpunkt, als der Klassizismus „modern“ war. Dank dieser Stilrichtung erstrahlt das Innere der Kirche in einem hellen, schlichten Weiß und lenkt den Blick unwillkürlich auf die beiden „Glanzlichter“ der Kirche: der Barockorgel, die Johann Nepomuk Holzhay baute und die wundervollen Fresken, die Martin Knoller in den Jahren 1770-1775 in schwindelnder Höhe in die Kuppelgewölbe der Kirche malte.
Wir erfahren, dass die Orgel über 3.500 Pfeifen sowie 49 Register umfasst und auch für eine versierte Organistin wie Manuela Nägele eine Herausforderung darstellt: Nicht nur, dass aufgrund der Akustik in dem sakralen Bau jeder Ton 8 Sekunden nachhallt; der Organist hört die gespielten Töne mit einer Zeitverzögerung von 2 Sekunden!
Pater Albert erlaubt eine Gesangseinlage des Chors und eine kleines Orgelkonzert, das Manuela Nägele zum Besten gibt.
Wir singen „vom Aufgang der Sonne“ sowie ein weiteres Stück und bereiten den Kirchenbesuchern Freude.
Sodann lauschen wir drei Orgelstücken. Die Akustik der Kirche verwebt die einzelnen Töne zu einem wunderschönen Klangteppich: ein wunderbares Erlebnis!
Nach einer einstündigen und sehr unterhaltsamen Führung durch die Kirche, die uns die biblischen Szenen der Deckengewölbe, aber auch das Selbstbildnis des Malers sowie seines eifersüchtig über ihn wachenden Auftraggebers und die „Pendelleuchte“ im Bild des letzten Abendmahls näher bringt, fahren wir nach einem Essen im Restaurant des Klosters weiter nach Wasseralfingen in das Bergbauwerk „Tiefer Stollen“.
Eine Gruppe fährt gleich mit einer kleinen Bahn in den Stollen ein und verschwindet in den Tiefen des Berges, die andere kann sich noch 20 Minuten stärken und Mut fassen: dann geht es los- 400 Meter in die schwach beleuchtete Dunkelheit. Um aufkommender Platzangst zu begegnen, intonieren wir (leise) in der Bahn ein Lied der Augsburger Puppenkiste (eine Insel mit zwei Bergen...)- dann sind wir schon am Ausgangspunkt der ca. eineinhalbstündigen Tour durch den Berg.
Wir laufen 800 Meter im Bergwerk (was seltsamerweise „fahren“ genannt wird) erklimmen 21 Stufen und laufen 3 weitere hinab bei einer konstant kühlen Temperatur von 11 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit. Da die Luft gänzlich pollenfrei ist, ist das Klima unter Tage für asthmageplagte Menschen ein Segen. Sie können hier drei Wochen täglich zwei Stunden kuren. Leider können wir die Liegen nur anschauen, denn für ein Mittagsschläfchen bleibt keine Zeit- dafür ist die Führung aber auch zu interessant.
Wir lernen an mehreren Stellen im Bergwerk anhand von Filmen, szenischen Darstellungen und den Erläuterungen unseres netten Führers das harte Leben der Bergwerker in vor- und nachindustrieller Zeit kennen und sehen anschaulich, wie das Eisenerz dem Berg mühevoll entrungen, bei 1000 Grad verhüttet und das gewonnen Eisen schließlich zu Gebrauchsgütern verarbeitet wurde. Da freue ich mich doch wieder über meinen Schreibtischjob!
Nach dieser interessanten Fahrt zu Fuß und per Bahn freuen wir uns, in das wärmende Licht der Sonne und schließlich fröhlich mit dem Bus zurück nach Hedelfingen zu kommen, wo wir gegen 18:00 Uhr wohlbehalten eintreffen.
Mein Resümee: gelungener Tag- Wiederholung erwünscht!!!

Meike Dörrier